Schon der berühmte Arzt Paracelsus sagte: „Gott hat für jede Krankheit eine Pflanze wachsen lassen.“ Nun wird mit dem Einjährigen Beifuß oder Artemisia annua – so der wissenschaftliche Name – erstmals eine Arzneipflanze als Wirkstoff gegen COVID-19 untersucht.

Wirkstoffe aus Artemisia annua werden bereits bei Malaria eingesetzt und zeigten in einer Studie aus dem Jahr 2005 auch antivirale Wirkung gegen den damaligen SARS-Virus. In der aktuellen Pandemie rückte die Heilpflanze wieder in den Fokus der Forscher, nachdem der Präsident von Madagaskar, Andry Rajoelina, von Behandlungserfolgen bei COVID-19-Patienten berichtete. Dort gilt die Pflanze als traditionelles Heilmittel.

Nun untersucht das Max-Planck-Institut in Potsdam gemeinsam mit der amerikanischen Firma ArtemiLife Inc. Pflanzenextrakte und Wirkstoffe aus Artemisia annua. Erste Labortests sollen nun Auskunft über die Wirkung gegen das neuartige Virus geben.

„Wenn man sich die Ähnlichkeit zwischen den beiden Viren anschaut [Anm. d. Red.: SARS-CoV-1 und SARS-CoV-2], müssen diese Pflanzenextrakte und Artemisinin-Derivate gegen das neuartige Coronavirus getestet werden, was diese internationale Zusammenarbeit nun ermöglicht“, sagt der Chemiker Professor Peter Seeberger vom Max-Planck-Institut.

Artemisia annua als Heilpflanze

Der Einjährige Beifuß wird in der traditionellen chinesischen Medizin schon seit Jahrtausenden als Heilpflanze eingesetzt. Der Korbblütler hilft dabei gegen Infektionen, Verdauungsstörungen und Fieber. In den 1970er Jahren erkannte man, dass Artemisinin, ein Wirkstoff der Pflanze, gegen Malaria wirkt. Artemisinin kommt in den Blättern und Blüten der Pflanze vor.

Dabei hemmt Artemisinin effektiv Plasmodien, also Krankheitserreger, die Malaria auslösen. Seit 2002 wird es als Mittel gegen Malaria von der WHO anerkannt. 2015 erhielt die chinesische Forscherin Professorin Youyou Tu den Medizinnobelpreis für die im Jahr 1975 gemachte Entdeckung.

Artemisinin ist ein sekundärer Pflanzenstoff, der traditionell durch Extraktion aus Artemisia annua gewonnen wird. Der genaue Wirkmechanismus der Substanz ist bisher noch nicht bekannt. Eine Hypothese lautet, dass die Peroxidstruktur des Pflanzenstoffes in Gegenwart von Eisenionen instabil wird, beide miteinander reagieren und so freie Radikale gebildet werden. Plasmodien, Viren und Bakterien benötigen alle verstärkt Eisenionen, wodurch Artemisinin möglicherweise spezifisch gegen die Erreger wirken kann.

Die Extrakte aus Artemisia annua zeigen sehr geringe Toxizität und kommen bei der Malariatherapie sogar bei Neugeborenen zum Einsatz. Die an der Studie beteiligte Firma ArtemiLife kultiviert und untersucht Artemisia annua seit mehreren Jahren in Kentucky. Sie verarbeiten die selbst angebaute Heilpflanze zu Tee und Kaffee zur Unterstützung der Gesundheit.

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